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Mit [inneren] Konflikten umgehen

Wie ihr euch im Falle eines Konflikts neu ausrichten könnt und was „Positive Aggression“ damit zu tun hat.

Wenn es ein Thema gibt, das mich in den letzten Jahren herumgetrieben hat wie kein anderes, dann sind es Konflikte: im Privaten, wie im Beruflichen. Diese waren aber oft gar nicht mal so sichtbar im Außen, dafür aber umso spürbarer im Innen. Genau darum soll es in diesem Artikel gehen: um den Prozess, der sich in uns abspielt, bevor es überhaupt erst zu Kontakt mit anderen kommt.

Innere Konflikte > Äußere Konflikte

Sowohl in meinen Konfliktmanagement-Seminaren, als auch im sonstigen Diskurs zum Thema ist mir aufgefallen, dass “Konflikte” ganz schnell in Zusammenhang mit dem “wie löse ich diese schnell?” gebracht werden. Wie wäre es aber, sich stattdessen folgende Fragen neugierig zu stellen?

  • Welche Prozesse spielen sich bei Konflikten eigentlich in mir ab?
  • Woran merke ich, dass ich im Konflikt mit mir selbst oder anderen stehe?
  • Welche Bedürfnisse konkurrieren vielleicht gerade in mir miteinander?

Ein Bewusstsein über das innere Erleben im Konflikt kann bereits eine völlig neue Perspektive eröffnen und legt den Fokus auf uns selbst und unsere Möglichkeiten, statt die Projektion aller “Schuld” [und damit auch möglicher Handlungsoptionen] ins Außen.

Positive Aggression ≠ Aggression

Aggression per sé ist nicht schlecht. Schlecht wird’s erst, wenn wir sie GEGEN uns selbst oder andere richten. Wut immer wieder runterschlucken bringt vor allem eins: Bauchschmerzen. Blöd nur, dass genau dieses Verhalten oftmals als “Selbstbeherrschung” gilt und sämtliche Ausdrücke von Wut als unprofessionell, schwach oder als Angriff verstanden werden. Aber was ist eigentlich mit dem Raum zwischen Runterschlucken und Ausrasten? 

 

In meiner Coaching-Ausbildung am Felix Institut Berlin habe ich zum ersten Mal vom Begriff der “Positiven Aggression” gehört und bin seither ziemlich begeistert davon. Für mich ist das der Raum, in dem wir “destruktive” Energie konstruktiv nutzen und sie auf [statt gegen] etwas richten. Trauen wir uns dann vielleicht endlich, unsere Unzufriedenheit über unser aktuelles Gehalt auszusprechen? Oder ziehen wir vielleicht endlich mal eine klare Grenze, dort wo vorher keine war und sagen, dass wir die Endlos-Beschwerdeschleife nicht mehr hören wollen? Vorsicht: hierbei könnte Energie für Hobbies und Projekte freiwerden, mit denen du vorher “einfach nicht vorwärts” gekommen bist…

Eine neugierige & offene Haltung

Klar, man kann sich ständig über zu viel Arbeit, energieraubende Kolleg:innen oder Vorgesetzte beklagen und behaupten, man würde den Unmut ja rauslassen. Manche hauen auch auf Kissen. So langfristig wird das aber meiner Meinung nach nicht reichen.
Unmut braucht einen konstruktiven Dialog [statt Monolog]. Und hier möchte ich dir eine Beobachtung anbieten, die für mich ein echter Gamechanger war: 

 

Es fällt mir leichter, “unschöne” Gedanken zu teilen, wenn ich selbst nicht allzu sehr daran festhalte, dass diese auch genauso stimmen.

 

Oftmals sind wir gerade in Konflikten so auf angebliche “Fakten über unsere Gegenpartei” bedacht, dass wir ganz übersehen, dass diese an manchen Stellen durchaus auch für uns war/ist. Damit will ich niemandem empfundene Emotionen absprechen, die sind da und damit real. Genauso wie vielleicht auch “schroffe” Gedanken, die einfach mal ausgesprochen werden wollen, ohne direkt bewertet zu werden. Wie verändert sich deine Bereitschaft, deine Gedanken zu teilen, wenn du ein Stück Wahrheitsanspruch abgibst? Vielleicht entsteht dabei sogar ein Stück Offenheit und Neugier dafür, was dein Gegenüber im anstehenden “Konfliktgespräch” [worum es in meinem nächsten Artikel gehen wird], zu sagen hat. So sagte Rumi bereits:

Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort, dort treffen wir uns.