Als ich vor mittlerweile 10 Jahren zum ersten Mal mit Gewaltfreier Kommunikation [GfK] nach Rosenberg in Kontakt kam, konnte ich mit dem Punkt “Mehr ‚Ich‘ statt ‚Du‘ Botschaften im Konflikt” ganz gut was anfangen…das war’s dann aber auch! Auch GfK-Trainer:innen waren für mich ganz lange eine eher gruselige Spezies…bis ich selbst eine wurde. Inzwischen durfte ich knapp 20 Workshops zu GfK mit Polizistinnen, Schüler:innen der 7. und 8. Klasse, Fach- und Führungskräften und sogar einer Wohnbaugenossenschaft halten. In Seminaren und auf Events mit anderen GfK’lern gehe ich regelmäßig meinen eigenen Vorurteilen auf den Grund. In diesem Beitrag möchte ich ein paar der [Vor]-Urteile über GfK aufgreifen und damit zu einem besseren Verständnis von GfK als Haltung [statt nur als Methode] beitragen.
Nö. Wenn überhaupt, gibt GfK dir Haltungen und Werkzeuge an die Hand, um “schwere” Dinge überhaupt erst besprechbar zu machen. Beispielsweise, indem wir unsere Gefühle nicht mit dem Verhalten anderer [„Ich war gestresst weil du XYZ nicht geliefert hast“], sondern mit unseren Bedürfnissen [ich war gestresst, weil ich den Bericht rechtzeitig abliefern wollte und dafür deine Infos brauchte]. Das wirkt direkt weniger defensiv, ohne Informationen wegzulassen. Zusätzliche Klarheit kann geschaffen werden, indem wir zusätzlich sagen, was wir jetzt eigentlich wollen [z.B. Gründe hinter der Verspätung hören oder eine Vereinbarung fürs nächste Mal treffen].
Jap, da stimme ich dir voll und ganz zu. Genau daran erkennt man übrigens eine Bitte: sie kann auch mit einem Nein beantwortet werden. Genau deshalb legt die GfK den Fokus auf Bedürfnisse: Wie kann dein Bedürfnis nach Zuverlässigkeit NOCH erfüllt werden, auch wenn Kolleg:in X nicht immer so reagieren kann, wie du’s brauchst? In meinen Seminaren höre ich immer wieder das Feedback: “Was aber, wenn etwas schlichtweg gemacht werden MUSS?!“ Nun ja, in diesen Fällen können wir über den Unterschied zwischen schützender und strafender Macht sowie die Motive dahinter sprechen…