WORKSHOPS   |    BERATUNG    |    COACHING    |    ÜBER MICH    |    KONTAKT AUFNEHMEN    |    BLOG

"So spricht doch kein normaler Mensch" - Vorurteile über GfK

Als ich vor mittlerweile 10 Jahren zum ersten Mal mit Gewaltfreier Kommunikation [GfK] nach Rosenberg in Kontakt kam, konnte ich mit dem Punkt “Mehr ‚Ich‘ statt ‚Du‘ Botschaften im Konflikt” ganz gut was anfangen…das war’s dann aber auch! Auch GfK-Trainer:innen waren für mich ganz lange eine eher gruselige Spezies…bis ich selbst eine wurde. Inzwischen durfte ich knapp 20 Workshops zu GfK mit Polizistinnen, Schüler:innen der 7. und 8. Klasse, Fach- und Führungskräften und sogar einer Wohnbaugenossenschaft halten. In Seminaren und auf Events mit anderen GfK’lern gehe ich regelmäßig meinen eigenen Vorurteilen auf den Grund. In diesem Beitrag möchte ich ein paar der [Vor]-Urteile über GfK aufgreifen und damit zu einem besseren Verständnis von GfK als Haltung [statt nur als Methode] beitragen.

#1 So spricht doch kein normaler Mensch.

Stimmt. Aber warum ist es eigentlich „normaler“, jemand anders als arrogant oder egoistisch abzustempeln als unsere eigenen Unsicherheiten oder Ängste kundzutun? Wir stellen Machtverhältnisse und -strukturen regelmäßig infrage. Warum dann nicht auch die Sprache, mit der wir diese Systeme und Strukturen überhaupt erst bauen?! Glücklicherweise stellen wir uns schon länger die Frage, wie Sprache z.B. Rassismus fördern oder entgegenwirken kann. Warum dann nicht auch in Bezug auf Machtverhältnisse, wie z.B. in diesem spannenden Artikel der Heinrich Böll Stiftung. Mein Tipp für den temporären “GfK-Cringe”: sich erlauben, zeitweise auch mal “komisch” zu klingen, wenn wir etwas Neues lernen und unser Gegenüber notfalls auch [humorvoll] in unser Vorhaben einweihen.
"Embrace Cringe" Poster von @anycolordesigns

#2 GfK heißt, die Wahrheit weichspülen.

Ja, GfK kann durchaus “weicher machen”, aber nicht die Wahrheit. Denn um die geht’s im Zweifelsfall gar nicht. Wenn man Rosenberg, aber auch Konstruktivisten wie Luhmann oder Watzlawick fragen würde, ist Realität ohnehin ein ziemlich wackliges, subjektives Konstrukt. Und dieses Konstrukt hängt weitaus mehr damit zusammen, wo wir herkommen [vergangene Erfahrungen] und wo wir stehen [aktuelle Bedürfnisse und Prioritäten], wie diese schöne indische Geschichte verdeutlicht. GfK als Haltung versucht also nicht die Wahrheit, sondern vielmehr unsere Perspektiven darauf aufzuweichen- und das kann bei Konflikten und Missverständnissen sogar ziemlich nützlich sein!
Bild zur Geschichte von @Sketchsplanations

#2 GfK heißt, Negatives wegzureden

Nö. Wenn überhaupt, gibt GfK dir Haltungen und Werkzeuge an die Hand, um “schwere” Dinge überhaupt erst besprechbar zu machen. Beispielsweise, indem wir unsere Gefühle nicht mit dem Verhalten anderer [„Ich war gestresst weil du XYZ nicht geliefert hast“], sondern mit unseren Bedürfnissen [ich war gestresst, weil ich den Bericht rechtzeitig abliefern wollte und dafür deine Infos brauchte]. Das wirkt direkt weniger defensiv, ohne Informationen wegzulassen. Zusätzliche Klarheit kann geschaffen werden, indem wir zusätzlich sagen, was wir jetzt eigentlich wollen [z.B. Gründe hinter der Verspätung hören oder eine Vereinbarung fürs nächste Mal treffen].

#4 Nur weil wir jemanden um etwas bitten, heißt das lange nicht, dass es eintritt

Jap, da stimme ich dir voll und ganz zu. Genau daran erkennt man übrigens eine Bitte: sie kann auch mit einem Nein beantwortet werden. Genau deshalb legt die GfK den Fokus auf Bedürfnisse: Wie kann dein Bedürfnis nach Zuverlässigkeit NOCH erfüllt werden, auch wenn Kolleg:in X nicht immer so reagieren kann, wie du’s brauchst? In meinen Seminaren höre ich immer wieder das Feedback: “Was aber, wenn etwas schlichtweg gemacht werden MUSS?!“ Nun ja, in diesen Fällen können wir über den Unterschied zwischen schützender und strafender Macht sowie die Motive dahinter sprechen…

Abschließen möchte ich diesen Beitrag gern mit zwei kleinen Reflexionsfragen für dich:

 

  • Wo könnte ich in meiner Kommunikation [minimal] etwas verändern, auch wenn’s zeitweise vielleicht “komisch” klingt?
  • Was wären meine Motive oder die Absicht dahinter? 

 

…& falls dich dieser Beitrag neugierig gemacht hat und du mehr darüber erfahren möchtest, wie ich dich oder dein Team in der Kommunikation und Zusammenarbeit unterstützen kann, komm gern auf mich zu!